Arbeitskreis Internationale Jugendarbeit
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Anti-Defamation-League of B'nai B'rith

New York Washington Square Hotel, Thema: Zeitgespräche

Gespräch mit Herrn Goldmann, Europabeauftragter der Anti-Defamation-League of B'nai B'rith
Herrn Goldmann begrüßte die Gruppe und sprach seine Hochachtung aus und für die Arbeit der Gruppe.

Herr Goldmann ist 1921 im Odenwald bei Darmstadt geboren. Von Beruf ist er Journalist, der seinen Ruhestand noch nicht angetreten hat. Sein Vater war ein beliebter Arzt, der später Zielscheibe der Nazis wurde. Herr Goldmann schilderte Erlebnisse aus dieser Zeit. Weitere Stationen: Realschule für Antropologie in Frankfurt, Erleben der Kristallnacht 1938 in Frankfurt, 1939 Abitur, England, Transfer USA, Ansager bei der Stimme Amerikas, danach journalistische Karriere.

Er arbeitet für die Frankfurter Allgemeine und den Aufbau. Seit den 70 / 80er Jahren hatte er Verbindung mit der Anti-Defamation-League (ADL), einer gemeinnützigen Institution. Er arbeitete zwei Jahre im ADL-Büro Paris. Sein jetziger Arbeitsschwerpunkt konzentriert sich auf die Beziehung zu Deutschland.

Die ADL gehört zu einer der drei Defence Organisations wie auch der American Jewish Congress und das American Jewish Comity. Die ADL unterhält drei Büros in den USA, und je IBüro in Wien, Jerusalem und Brüssel. Das Informationszentrum für Europa ist das Büro in Brüssel. Ausgangspunkt der Gründung der ADL war die Ermordung eines Juden in Georgia vor 90 Jahren. Das Prinzip der Organisation ist die Bekämpfung des Antisemitismus, der Diskriminierung anderer Gruppen, z.B. der Schwarzen, der Hispaniks und der Erhalt einer Opposition gegen Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit).

Besonders in und für Deutschland kann die ADL gute Arbeit leisten, Deutschland, das auf Grund der Vergangenheit für viele amerikanische Juden noch das braune Tuch ist. Nach dem Anschlag in Rostock 1992 wurde das ADL-Büro zu Rate gezogen. Es entstand für die Lehrerfortbitdung am Wissenschaftlichen Institut für Schulpraxis in Bremen ein Programm-Training für Lehrerinnen. Das Programm ' Worid of Difference' seit 1985 in den USA, ist zur Bekämpfung von Vorurteilen und für menschliche Beziehungen sehr nützlich.

Eröffnung der Diskussion

Nachfolgende Fragen wurden an Herrn Goldmann gestellt und von ihm beantwortet:

Frage: Es ist überraschend wie stark Ihre amerikanisch-jüdischen Institutionen sind. Wer steckt dahinter?

Goldmann: Die Verantwortung der Bürger und die gemeinnützigen Organisationen spielen eine Schlüsselrolle in der Gesellschaft der USA. Die Beiträge für die gemeinnützigen Organisationen sind enorm. Die Mittel gehen in die zig Millionen. Das Budget der ADL -alles Beiträge- beträgt 60 Mill.Dollar.

Frage: Wie schaut die Bereitschaft der Enkel, der Söhne und Töchter zum Dialog aus?

Goldmann: Viele sind bereit! Ja. Es ist aber auch richtig, dass ein Hauptteil der amerikanischen jüdischen Bevölkerung noch große Probleme mit Deutschland hat.

Frage: Wie lange dauerte bei Ihnen die Kontaktaufnahme zur Heimat Deutschtand?

Goldmann: Ein berechtigte Frage. Autobiographisch gesehen ist die Situation bei mir anders. Ich hatte durch die deutsche Sprache Gelegenheit zur Aufnahme von Beziehungen. Ich hatte nie die absoluten Gefühle des Hasses gegen Deutschland. Dies wurde aber von anderen oft nicht verstanden. Es entstanden viele Kontakte mit ehemals der Familie verbundenen Personen. Ich habe Deutschland oft besucht, auch meine Heimatgemeinde Rheinheim. Ein Kindergarten trägt dort den Namen meines Vaters (Dr. Jakob Goldmann)

Frage: Sollte in Deutschtand die NPD verboten werden...?

Goldmann: Die Diskussion wird bei den amerikanischen Juden aufmerksamer verfolgt, als es die Sache wert ist. Ein NPD-Verbot würde das gewünschte Ziel nicht erreichen. Es muss eine langfristige Bekämpfung erfolgen. Sozialpolitische. tieferwurzelnde Maßnahmen sind erforderlich. Auch die Arbeit dieser Gruppe ist daher unglaublich wichtig.

Frage: Wie bewerten Sie die Rede von Martin Walser?

Goldmann: Die war verblüffend offen. Die Reaktion von Bubis war überspitzt, die darauffolgende Diskussion war sinnvoll und wichtig, weit sie viele nicht beteiligte Menschen ansprach.

Frage: Was sagen Sie zur Holocaust - Industrie in den USA und zu Finkelstein?

Goldmann: Finkelstein ist ein verbitterter Jude, ein Antizionist, voller Selbsthass. Seine Kritik ist unseriös. Der Staat Israel ist ein Hindernis für das jüdische Leben aus seiner Sicht. Für mich ist Israel Bestand jeder jüdischen Identität. Es gibt in den USA tatsächlich eine Art Nutzung des Holcaust. Das ist unerfreulich und mir sehr unsympathisch.

Buch von Herrn Goldmann
Titel: Flucht in die Welt, erschienen im S. Fischer Verlag